, Lucia Schroth

Zwei NLB-Aufstiege fürs Geschichtsbuch

Serie «50 Jahre TV Muri»: 2001 und 2009 gelang dem Herren 1 des TV Muri der Aufstieg in die zweithöchste Liga der Schweiz.

Gestartet als Breitensport-Verein vermochte zu Beginn niemand daran glauben, dass der TV Muri Handball jemals Nationalliga-B-Luft schnuppern würde. Die Ideen und Visionen des hochkarätigen Herren 1 Coaches Camil Festic, der 1995 verpflichtet werden konnte, riefen an vielen Fronten ungläubiges Kopfschütteln hervor. Doch er verfolgte ein Ziel und professionalisierte den TV Muri Handball subtil, Schritt für Schritt.  
 
Das Herren 1 in der 1. Liga aber auch die Juniorenförderung entwickelten sich Ende der 90er Jahre unter Camil Festic stark. Vieles wurde auf professionellere Beine gestellt. Konsequent wurde an der Zukunft gefeilt. Der Glaube ans Unmögliche setzte sich langsam aber sicher in den Köpfen der Spieler und Verantwortlichen fest. Der Weg in die Aufstiegsspiele war geebnet.  
 
Erster Aufstieg in die NLB
Knapp vor der Jahrtausendwende klopfte der TV Muri zum ersten Mal an der Nationalliga B an. In der entscheidenden Barrage gegen HC Horgen mit dem ehemaligen Schweizer-Internationalen René Barth tauchten die Freiämter vorerst. Doch bereits eine Saison später ging der grosse Traum in Erfüllung. In einem unvergesslichen Spiel vor über 800 Zuschauenden in der Bachmattenhalle schaffte der TV Muri 2001 gegen Fortitudo Gossau den Aufstieg ins Oberhaus. In der Nationalliga B angekommen, liess sich der Verein nicht zu finanziellen Abenteuern hinreissen und versuchte auf wie neben dem Feld, den bewährten Kräften zu vertrauen. Oft fehlte der Mannschaft von Festic nur wenig zur Überraschung, doch nach einem Jahr in der Oberliga musste der TVM wieder absteigen. 
 
Stühlerücken im «Eis»  
Das Fanionteam orientierte sich danach stets in Richtung Spitze, doch der grosse Coup blieb aus. So kam es zu einem mächtigen Stühlerücken innerhalb der ersten Mannschaft. Damaliger Trainer und Visionär Martin Pauli suchte die Herausforderung und es kam zu einer Kooperation mit dem Aargauer Nationalliga-Verein TV Endingen. Diese Zusammenarbeit trug überraschend schnell Früchte. Die Klosterdörfler konnten vor allem von den gemeinsamen Trainings mit Endigen profitieren; von der gesteigerten Trainingsqualität aber insbesondere auch vom Know-how des Trainers Zoltan Cordas. Cordas, der aktuell das NLA Team St. Otmar St. Gallen trainiert, war dann auch meist an den Muri-Spielen als Coach an der Seitenlinie. Die junge Murianer Mannschaft zeigte unter diesen Bedingungen starke Leistungen und setzte sich schon bald an der Spitze der 1. Liga Gruppe fest. 
 
«Die Schlacht in Muri»
Ziemlich unvorhergesehen zogen die Klosterdörfler 2009 also in die Aufstiegsrunde ein: «Die Schlacht in Muri» nennt José Castiñeiras das entscheidende Aufstiegsspiel gegen Chênois Genève. Der damalige Spieler und aktuell einer der besten Schweizer Schiedsrichter hat diesen Match noch bestens in Erinnerung. Beteiligt waren damals beispielswiese auch die blutjungen Spieler Jerome Zucker, Lukas Schwenkfelder oder Flavio Galliker, die noch heute in den Fanionteams von Muri und Wohlen spielen. Der Auftakt der Aufstiegsspiele missriet dem TV Muri mit einer unnötigen 24:25 Niederlage gegen den TV Willisau. Doch was anschliessend folgte, war gewaltig.  
 
Krasser Aussenseiter
«Wir sind damals als krasser Aussenseiter in die alles entscheidende Partie gegen Chênois gestiegen» sagt Claude Bruggmann. Der aktuelle Trainer des Herren 1 war damals Spielmacher bei Muri und eine der entscheidenden Figuren im Aufstiegskampf. Der Gegner aus der Westschweiz war erst vor kurzem aus der NLA abgestiegen, spielte jedoch mit kaum verändertem Kader. «Unsere Mannschaftszusammensetzung hingegen war eher kurios: Wir hatten ein paar junge Wilde dabei, zum Beispiel den 17-jährigen Dominic Rosenberg im Goal. Dann hatten wir mit José Castiñeiras und Douglas Chechele zwei über 35-Jährige an den Flügeln. Und Thomas Hügli, unser Tor-Garant, fiel wegen eines Kreuzbandrisses aus». Die Chancen für Muri waren also schlecht. Doch das Trainerteam Pauli/Cordas habe es geschafft, die Qualitäten der Mannschaft hervorzuheben. «Niemand weiss genau wie» meint Bruggmann, «aber wir haben das Spiel schlussendlich mit 31:29 gewonnen». Das Spiel sei so nervenaufreibend gewesen, dass der damalige Vereins-Präsident, Franz Hold, es nicht mehr ausgehalten habe und schlicht spazieren gehen musste. Pünktlich aufs letzte Tor sei er wieder in der Halle gestanden und somit zum 2. Aufstieg des TV Muri Handball.  
 
Nachwuchs für die 1. Liga
Inzwischen spielt der TV Muri wieder in der 1. Liga solide mit. Letzte Saison konnte man lange Zeit sogar an der Tabellenspitze verbringen, bevor Corona einen Strich durch die Saison machte. Ziel ist weiterhin die erste Mannschaft mit eigenen Nachwuchsspielern zu ergänzen und so nachhaltig und aus eigener Kraft Erfolg zu haben. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass der TV Muri irgendwann ein weiteres Mal NLB spielen wird.
 
Die Aufstiegsmannschaft des TV Muri Handball  nach dem Entscheidungsspiel gegen Chênois Genève im Jahr 2009 (Foto: Alexander Wagner)
 
Zeitungsbericht zum Aufstiegs-Exploit in die NLB vom 18. Mai 2009