, Willi Steffen

Den Kopf aus der Schlinge gezogen

1. Liga, Gruppe 2: TV Muri – HSC Suhr Aarau II 30:30 (13:19)

Nach dem Unentschieden im Kantonsderby kann der TV Muri nicht mehr von Rang fünf verdrängt werden. Scheinbar hoffnungslos liegt das Team zur Pause zurück. Nach dem Wechsel drehen die Freiämter auf und vergeben in den Schlusssekunden sogar noch einen möglichen Sieg. Stark bei Muri spielte Kreisläufer Mirko Külling.
 
Nach einer ereignislosen ersten Halbzeit sieht der TV Muri gegen den HC Suhr Aarau II wie der sichere Verlierer aus. Kaum einer hätte in der Pause beim Spielstand von 13:19 noch auf die Einheimischen gesetzt. Zu desolat agierte die Abwehr und zu unpräzise und ideenlos spielte man im Angriff. Kommt dazu, dass nach rund zehn Minuten Muris Teamleader Luiz Egger mit einer Handverletzung ausschied. "In der ersten Halbzeit waren wir nicht bereit und agierten pomadig. Ich habe schon unter der Woche gespürt, dass es nach der Sicherung des Ligaerhalts schwierig war, Spannung aufzubauen", sagt Trainer Thomas Stenz.
 
An den richtigen Schrauben gedreht
Wie schon so oft in dieser Rückrunde finden die Verantwortlichen in der Pause die richtigen Worte und drehen an den richtigen Schrauben. "Für die zweite Halbzeit hatten wir nur noch die Option, über den Kampf zurück ins Spiel zu finden und mit mehr Risiko zu agieren. Zusätzlich stellten wir in der Abwehr auf ein 6:0-System um", so Thomas Stenz. Und tatsächlich. Jetzt schaltet Muri in den Kampfmodus. Die Hauptstädter geraten ins Taumeln. Nach 40 Minuten ist der Rückstand Geschichte. Angepeitscht vom lautstarken Publikum sind die Murianer jetzt nicht mehr zu halten. Mit dem Selbstvertrauen steigt auch die Treffsicherheit. Elia Galizia, Yorick Kaufmann, Colin Müller und vor allem Mirko Külling sind jetzt für die Torproduktion zuständig. Auch in der Abwehr wird gefightet. Davon profitiert auch Torhüter Kim Davidson. Der 30-Jährige Finne läuft, desto länger die Partie dauert, zur Hochform auf.  Und als er in der 56. Minute einen Siebenmeter blockt, ebnet er seinem Team den Weg zum vermeintlichen Sieg. Sekunden später führt Muri mit zwei Toren Differenz. Der zehnte Saisonsieg ist jetzt in Griffnähe.
 
Zeitspiel statt Zwei-Minuten-Strafe
Die mit starken Einzelspielern besetzten Gäste geben aber nicht auf. Allen voran Martin Janis. Mit seinen persönlichen Toren sieben und acht rettet er seinem Team in Extremis doch noch einen Punkt. Dem Ausgleich voraus, zehn Sekunden vor Schluss, geht ein strittiger Schiedsrichterentscheid. Statt einer Zwei-Minuten-Strafe nach einem harten Foul der Gäste lassen die Schiedsrichter ein angezeigtes Zeitspiel gegen Muri weiterlaufen. Unter Zeitdruck verfehlen die Gastgeber nach einem unvorbereiteten Wurf den Siegtreffer. Suhr Aarau kommt noch einmal in Ballbesitz und der schon erwähnte Martin Janis nützt die Chance eiskalt aus.
 
Gerechtes Unentschieden
Auf Murianer Seite kann man schliesslich mit einem Punkt leben. Zur Pause hätte man ein solches Szenario wohl noch unterschrieben. Einmal mehr begeisterte das personell arg geschwächte, extrem junge Team mit einer grossen Moral. "Wenn man die erste Halbzeit betrachtet, ist die Punkteteilung gerecht. Wir haben das Ziel erreicht und bleiben auf dem fünften Rang. Ausschlaggebend war auch die starke Verteidigungsarbeit nach der Pause. Damit haben wir den Grundstein für die Aufholjagd gelegt", zieht Thomas Stenz Bilanz.
 
Telegramm:
Bachmatten. – 315 Zuschauer. – SR Kurth / Schwarzmeyer
Muri: Davidson, Schleiss, Rütimann; Dani Lang (1), Galizia (5), Külling (8), Egger (1), Dahinden, Müller (5), Wey (2), Dominik Lang, Scheiwiller (1), Kaufmann (6), Furter (1).
Suhr Aarau: Dufner, Caforio; Hunziker, Meier (5/4), Schumacher, Wyss (3), Völkle (4), Romeo (1), Ochsner (1), Stojanoski (5), Vuleta (1), Wiedmer (2), Martin (8), Moser.
Bemerkungen: Strafen: 2-mal 2 Minuten für Muri, 6-mal 2 Minuten für Suhr Aarau. Siebenmeter: 0/0 für Muri, 4/5 für Suhr Aarau.