, Philippe Knecht
Muri feilt an den Wurfquoten
Muri hat gegen die SG Handball Seetal knapper als prognostiziert zwei Punkte ergattern können und muss sich nun seinem direkten Verfolger stellen. Die SG Horgen/Wädenswil, aktuell mit 19 Punkten auf dem vierten Platz, ist dem Handball TV Muri (Rang 3, 22 Punkte) dicht auf den Fersen. Wird Muri den knappen Vorspung ausbauen können, oder muss man den direkten Konkurrenten punktemässig aufschliessen lassen?
Muri Trainer Björn Navarin geht der Begegnung morgen ernst, aber trotzdem mit einer gewissen Gelassenheit entgegen: «Wir haben mit der SG Horgen/Wädenswil eine Rechnung offen. Sie waren diese Saison die Ersten, die uns zwei Punkte abluchsen konnten,» ordnet er die Auswärtsniederlage vom 11. Oktober gegen die Zürcher ein, wo Muri nach hartem Kampf mit 33:28 (14:11) geschlagen wurde. «Ins Hinspiel sind wir damals gut gestartet, aber haben dann mit den erfahrenen Akteuren aus ihren Reihen Probleme gehabt. Deren physische Präsenz war nicht wegzudiskutieren.» Besonders Spieler mit Nationalliga-B-Erfahrung, wie Stefan Burgherr (bislang 73 Saisontore) und Cyril Schäfer (79 Tore), könnten den Murianern erneut gefährlich werden. Und auch die Alteingesessenen des Zürcher Teams – einige von ihnen sind 15 Jahre älter als die jüngsten Murianer – haben vor, ihre Torstatistiken weiter zu füttern.
Agilität als Schlüssel
Erfahren zu sein muss aber nicht nur Vorteile versprechen. Was Horgen/Wädenswil an Spielerjahren mitbringt, kontert Muri mit Agilität und Raffinesse. Phasenweise sah man das auch beim Spiel letzte Woche gegen die SG Handball Seetal. Aufgrund vieler vergebenen Torchancen von Seiten der Murianer war Einfallsreichtum gefordert, um doch noch siegreich nach Hause zu gehen. «Letzten Samstag gegen Seetal war sicherlich nicht das, was wir erwarten konnten. Erstens hat die SG Seetal wirklich gut gespielt und ihr Auftritt war unvergleichbar mit der Leistung, die wir von ihnen im Hinspiel in Muri gesehen haben.» Laut Navarin hätte Muri zudem nicht den besten Tag erwischt: «Die Wurfeffektivität litt, schliesslich hatten wir 21 Fehlwürfe zu bekunden.» Navarin ergänzt, dass die Begegnung mit Seetal den Murianern auch hinsichtlich des Spiels gegen Horgen/Wädenswil wertvollen Input liefern konnte: «In der Verteidigung, im Zweikampf und im Deckungsverband waren wir zu löchrig. Fünf Minuten vor Schluss mit vier Toren zu führen und die Entscheidung dann doch noch so knapp werden zu lassen ist heiss. Wir hatten gute Chancen bis am Schluss, kriegten aber den Ball nicht am Torhüter vorbei – dann wird es zusammen mit etwas Nervosität natürlich eng.»
Gezieltes Training für morgen
Muri will morgen deshalb nichts dem Zufall überlassen. «Die letzten zwei Punkte nahmen wir gerne mit,» und zwei weitere Punkte sollen morgen her. Entsprechend hat sich die Mannschaft neu ausgerichtet und im Training gezielt Schwerpunkte gesetzt. «Diese Woche haben wir am Wurfverhalten gefeilt», verrät Trainer Navarin, «weil wir uns auch eingestanden haben, dass wir das Werfen nicht im monoton selben Rhythmus trainieren dürfen. Wir investierten mehr in den Sprung, sodass die Spieler beim Abschluss in der Luft genügend Zeit haben werden, um auf Bewegungen des Torhüters zu reagieren.» Immer wieder spielt Hektik bei Abschlüssen negativ ins Wurfresultat, und das wolle man nun minimieren. «Und ein zentraler Fokus ist aktuell natürlich die Verteidigungsarbeit und das Drillen der Grundlagen, damit wir beim Eins-gegen-Eins flink und sicher verteidigen können.»
Ob sich die Trainingsstrategie auszahlt, zeigt sich morgen in der Bachmattenhalle. «Wenn jeder von uns seinen Job macht und innerhalb unseres Spielsystems seine Möglichkeiten nutzt, dann spielen wir wirklich richtig guten Handball.» Kleine Missgeschicke können aber das Ganze ins Stocken bringen. «Dann wird’s wiederum harzig», bestätigt Trainer Navarin die fragile Gratwanderung zwischen Effektivität und Risiko.