Nach dem Wechsel zu Saisonbeginn zu „Handball Metz“ folgte bei Daphne Gautschi vor wenigen Wochen der nächste Karriereschritt. Im Europameisterschafts-Qualifikationsspiel gegen Kroatien debutierte sie in der A-Nati. Wenige Tage später beim zweiten Einsatz trug sie sich schon in die Torschützenliste ein.

(Ws) Noch vor wenigen Monaten erstaunte die damals 16-Jährige Murianer Handballerin Daphne Gautschi die Schweizer Handballszene mit starken Auftritten im SP1-Team LK Zug. Im vorletzten Meisterschaftsspiel wurde sie gar zur Best Playerin ihres Teams gekrönt. Auch in der U 20-Nationalmannschaft reifte sie zu einer Leistungsträgerin. Jedermann rechnete damit, dass sich nun auf diesem Niveau erst einmal bestätigen müsse.

Weit gefehlt. Denn wenige Wochen später überschlugen sich die Ereignisse. Die Französische Nummer eins „Metz Handball“ wurde auf das Ausnahmetalent aufmerksam. Der Champions-League-Viertelfinalist bot ihr an, sich in ihrem Ausbildungsteam für höhere Aufgaben zu empfehlen. Gleichzeitig könnte sie ein Studium in Angriff nehmen. Gautschi zögerte nicht lange und nahm die Offerte an. Vor acht Wochen packte sie ihre Koffer und reiste in den Norden von Frankreich. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie immer noch mit Anfangsschwierigkeiten kämpft: „Es ist schwierig ohne meine Familie. Ich hätte nie gedacht, dass es so krass wird. Kommt dazu, dass ich jeden Abend total kaputt bin“, sagt sie und gibt aber gleichzeitig zu verstehen, dass sie nichts bereue. Sie habe es ja so gewollt.

«Man muss frech sein und sein Bestes geben»

Daphne Gautschi | CH-Nationalspielerin

Nati-Debut mit einem 20 Sekunden-Einsatz

Kaum im Handballherzen Frankreichs angekommen, flatterte ihr ein Aufgebot der Frauen A-Nationalmannschaft ins Haus. Das Aufgebot war aber nur der Vorbote ihres nächsten Karriereschritts. Vor rund zwei Wochen gab sie beim Europameisterschaft-Qualifikationsspiel gegen Kroatien als 17-Jährige ihr Debut. Wenn auch nur mit einem 20-Sekunden-Einsatz. Das Highlight folgte am 1. Oktober gegen die amtierenden Weltmeisterinnen aus Norwegen. Gleich 25 Minuten durfte sie ran. Dass sie dabei ihr erstes Tor für die „Grossen“ warf, mag bei ihrem atemberaubenden Karriereverlauf kaum zu erstaunen. Ihre fünf Wurfversuche zeigen auf, dass sie auch auf diesem Niveau auf ihre Unbekümmertheit zählen kann. „Man muss frech sein und sein Bestes geben“, kommentiert sie ihre Feuertaufe. Beeindruckt zeigte sie sich von der Schnelligkeit der Norwegerinnen. Dass sei extrem. Körperlich sei der Unterschied aber nicht so gross.

Tagsüber Schule, Abends Training

Ihr Tagesablauf im Sportinternat, wo sie auch übernachtet, ist streng geregelt. „Tagsüber haben wir Schule. Jeweils am Abend und am Dienstag und Donnerstag-Morgen finden die Trainings statt“, erklärt sie. Die Trainingseinheiten unterscheiden sich gegenüber der Zeit beim LK Zug deutlich. „Hier wird mehr Wert auf die individuelle Ausbildung jeder Einzelnen gelegt. Auch die Intensivität ist deutlich höher“, stellt sie fest. Die 3. Französische Liga, wo sie mit dem Nachwuchsteam spielt, vergleicht sie vom Niveau her mit dem Mittelfeld der obersten Liga in der Schweiz. Für die Zukunft hat sich Gautschi ein klares Ziel gesetzt: „Ich habe hier einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Bis dahin will ich den Sprung in die Profimannschaft schaffen. Ich hoffe aber schon früher.“

A-Nationalteam Frauen

Daphne Gautschi Nationalkader

Hinten (v.l.):
Laura Berger, Sabrina Amrein, Daphne Gautschi, Romy Bachmann, Noëlle Frey, Pascale Wyder.
Mitte (v.l.):
Esther Aeschbach (Physio), Seline Ineichen, Sibylle Scherer, Jesper Holmris (Nationaltrainer), Xenia Hodel, Kerstin Kündig, Werner Bösch (Assistenztrainer).
Vorne (v.l.):
Karin Weigelt, Jenny Murer, Sladana Dokovic, Manuela Brütsch, Zerin Özcelik, Judith Matter.
 
Bild: SHV/Marco Ellenberger